Weine in Istrien

Wein ist in Istrien mehr als nur ein Getränk. Er ist ein unverzichtbaret Bestandteil der Lebenskultur und seit Jahrhunderten fest im Bewusstsein der Menschen verankert: "Brot für den Leib und Wein für die Seele". Wein prägt aber nicht nur die regional bäuerliche mediterrane Küche der Adria-Halbinsel, sondern auch die unvergleichliche Landschaft mit ihren endlosen Weingärten. Griechische Seeleute sollen hier erstmals Reben entdeckt haben. Eine Bucht an der östlichen istrischen Küste trägt noch heute den Namen Kalavonjna und diese etwas verdrehte Wortbildung lässt sich aus dem Griechischen – guter Wein ableiten. Römische Schriftsteller strebten danach, einander mit der schönsten Hymne zum Lob des istrischen Olivenöls und Istrischen Weins zu übertreffen.
Ein wahres Rätsel blieb der sagenumworbene istrische Wein "Vinum Pucinum", der durch die römische Kaiserin Julija Augusta Berühmtheit erlangte. Die dynamische Kaiserin war immer davon überzeugt, ihre Kraft und ihr außergewöhnlich hohes Alter dem Vinum Pucinum zu verdanken.Dabei handelt es sich ohne Zweifel um einen istrischen Wein, vermutlich den Teran. Ein Geheimnis bleibt lediglich die genaue Herkunft, um die sich mit Sovinjak und Motovun zwei altertümliche Städchen streiten, da Pinius einen Berg im Mittelistrien erwähnt hat, dahin, wo die Meeresströmung reicht. Auch der grosse Abenteurer und Liebhaber Gaiacomo Casanova notierte in seinen berühmten Memoiren, dass er in Istrien den hervorragenden Wein Refosk getrunken habe. Vom istrischen Wein war nicht zuletzt die österreichisch-ungarische Monarchie begeistert. So heißt die 1902 von Triest nach Porec erbaute Schmalspurbahn im Volksmund nur liebevoll die Weinbahn.
Istrien, die größte Halbinsel an der Adria, öffnet sich durch seine geografische Lage in idealer weise nach Süden.beste Voraussetzungen für den Wein bildet aber nicht nur die ständige Sonnen Einstrahlung, sondern auch die besondere Qualität des Bodens: die rote Erde entlang des Meeres und die weiße Erde im Landesinneren. Die Gesammtfläche der Weingärten umfasst rund 6.151 Hektar. Mit 5839 hektar ist das westliche istrische Anbaugebiet (Porec, Buje, Pula, Rovinj) das größte, das inner-istrische Anbaugebiet (Buzet, Pazin) verfügt über 209 Hektar, das östliche (Labin) über 103 Hektar.
Innerhalb der istrischen Rebsorten ist der Malvasier schon seit hundert Jahren der berühmteste und meistgetrunkene Wein der Halbinsel. Regelmäßige und ertragreiche Fruchtbarkeit, üppiges Wachstum, Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und vor allem die erzielbare Qualität haben ihm diesen Status sichergestellt. Je nach Vinifizierung und Alter variiert er von strohgelber bis goldgelber Farbe, im Bouquet erinnert er an Akazienblüten. Der Malvazier ist ein mittel bis stark alkoholischer Wein (von 11,5 bis 13,5 Vol %) mit verfeinertem Aroma und frischem Geschmack. Er harmoniert glänzend mit einer ganzen Reihe von Fischen und Meeresfrüchten.
Das Gegengewicht des Malvasier ist der istrische Teran, der mit seiner Untersorte Refosk historische Bodenständigkeit repräsentiert. Rotweine werden in Istrien als schwarz bezeichnet, was – wie beim Teran - auf die intensive dunkelrote Farbe zurückzuführen ist. Er zeichnet sich durch ausgeprägten Geschmack, lebhafte Fruchtigkeit und intensiven Duft aus und harmonisiert ebenso mit leichteren Gerichten wie mit Gulasch, Fleischsaucen sowie nicht zuletzt mit Wild. Für viele Kenner istrischer Weine nimmt der Muskat oder genauer gesagt der Momjaner Muskat eine Sonderstellung ein, und zwar wegen seiner goldenen Farbe und dem intensiven Bouquet nach wilden Nelken und anderen feinen Aromen. Angeblich soll er auch aphrodisierende Wirkung besitzen. Der Muskat wird sowohl trocken wie süß ausgebaut und passt dementsprechend entweder zu elegantern Gerichten oder zu Desserts.