Die Stadt Pula in Istrien
Pula ist die größte Stadt Istriens und liegt an der Südspitze der Halbinsel. Sie entstand an der Stelle einer ursprünglich illyrischen Siedlung, die später zur römischen Kolonie wurde. Durch die gut geschützte Bucht von Pula, die seit jeher als sicherer Naturhafen bekannt ist, kann man die Stadt vom Meer aus erreichen und im Jachthafen unweit des Stadtzentrums anlegen.
Das Wahrzeichen von Pula ist das große, gut erhaltene Amphitheater aus dem 1.-2. Jahrhundert n.Chr., das einst über 20.000 Zuschauer aufnehmen konnte. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen auch der Triumphbogen der Sergier und der Augustustempel, beide aus dem 1. Jahrhundert. Auf dem ehemaligen römischen Forum stand einst an der Nordseite ein weiterer Tempel, von dem heute nur eine Mauer erhalten ist, die in das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert eingebaut wurde. Vor dem ehemaligen Stadttor befand sich ein großer römischer Friedhof, den Dante Alighieri im IX. Gesang seiner "Göttlichen Komödie" erwähnt. Der Spaziergang durch das Zentrum von Pula ist wie ein Ausflug in die Geschichte, die in jedem Stadtteil ihre Spuren hinterlassen hat. Zahlreiche Überreste antiker Denkmäler werden im Archäologischen Museum Istriens bewahrt. Die vielen Kirchen der Stadt zeugen von der Kultur des Mittelalters und der Neuzeit. Die Kapelle der ehemaligen Kirche Santa Maria Formosa ist ein schönes Beispiel für die Architektur des 6. Jahrhunderts. In der Franziskanerkirche wird ein Flügelaltar vom Ende des 14. Jahrhunderts bewahrt, der die istrische Holzschnitzkunst der Gotik veranschaulicht. Die Domkirche Mariä Himmelfahrt wurde im 5. Jahrhundert errichtet und später mehrmals umgebaut. Der Außen- und Innenraum weisen daher verschiedene Stilrichtungen auf - von dem römischen Sarkophag, der als Altar benutzt wird, über mittelalterliche Baufragmente bis hin zur Renaissance. Die Stadt wird von einem Kastell beherrscht, das an der Stelle einer vorgeschichtlichen Wallburg entstand und seine heutige Form im Zeitraum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert erhielt. Heute ist in dieser Festung das Historische Museum Istriens untergebracht. Die Anfänge des Fremdenverkehrs in Pula sind eng mit der Geschichte verbunden, weil die ersten Touristengruppen, welche die Stadt besuchten, Liebhaber von Altertümern waren.
In Pula wird seit den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Filmfestival mit Filmvorführungen im römischen Amphitheater abgehalten. In der Nähe der Stadt befindet sich ein internationaler Flughafen. Aus der benachbarten Ortschaft Fazana kann man mit einem Schiff den Nationalpark Brijuni erreichen. Die malerischen Brijuni-Inseln zogen bereits in der Antike Menschen an, die Ruhe und landschaftliche Schönheit bevorzugten. Davon zeugen heute noch Reste eines römischen Landhauses. In der Nähe von Pula befinden sich Medulin, ein Ort mit wunderschönen Badestränden, sowie Barban, eine malerische, mittelalterlich anmutende Ortschaft, wo bereits seit dem 17. Jahrhundert alljährlich in der zweiten Augusthälfte das Reiterspiel Trka na prstenac stattfindet (Ringelstechen, bei dem Reiter versuchen, im Galopp mit der Lanze einen Eisenring zu treffen). Weiter nördlich in Richtung des Rasa-Tals liegt die gleichnamige Ortschaft, die ihre Entstehung in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts dem nahe gelegenen Kohlenbergwerk verdankt. In Rasa findet man heute viele Beispiele der modernen Architektur jener Zeit. Jedoch das Zentrum des damaligen Bergbaugebiets war die Stadt Labin. Seit Stilllegung der Gruben nutzt man die alten Stollen als touristische Attraktion. Labin ist für sein internationales Kultur- und Ausstellungsprogramm unter dem Namen "Labin Art Express" bekannt. Die Ortschaft hat sich aus der römischen Siedlung Albona entwickelt. Hier sind viele Denkmäler aus dem Mittelalter und der Neuzeit erhalten. Besonders sehenswert sind die bürgerlichen Paläste und Häuser im Renaissance- und Barockstil.